Gittervorspannungs-
und Regelspannungserzeugung in Röhren-Rundfunkgeräten. 
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seit 11.05.2007. Letzte Bearbeitung 15.05.2007
Röhrenradios
benötigen für eingebaute Röhren, die mit Steuergittern ausgestattet
sind, in fast allen Fällen eine Gittervorspannungserzeugung. Diese Gittervorspannungen
stellen den jeweils gewünschten Arbeitpunkt auf der Röhrenkennlinie
ein. In Radios ist das in den meisten Fällen der möglichst lineare Bereich
um den sogenannten Arbeitspunkt A. Es gibt hier Ausnahmen, wie z.B. die Audioschaltung,
Oszillatorschaltung, Gegentakt-Endstufen, Verstärkerstufen mit Regeleigenschaften.
Regelröhren können dabei über die Veränderung ihrer Gittervorspannung
die Verstärkung beeinflussen. Diese Arbeitspunkte sind
von Röhre zu Röhre und zum Anwendungsfall verschieden. Folgende
Prinzipien haben sich durchgesetzt: 1. Die Gittervorspannungserzeugung
mittels Kathodenwiderstand (automatische Gittervorspannungserzeugung)
arbeitet meist unabhängig von anderen Stufen oder Röhren im Gerät (Man kann
z.B. die Kathoden einer NF-Gegentaktendstufe diesbezüglich zusammenschalten).
Nur der Strom durch die Röhre selbst legt die Gittervorspannung fest. Ein Überbrückungs-Elko
zum Kathodenwiderstand verhindert Wechselstromgegenkopplung. Siebmassnahmen nicht
erforderlich. In Grenzen kompensiert diese Gittervorspannung Röhrenalterung. Einsatzbereich
oft in NF-Endstufen.
2. Die Gittervorspannungserzeugung
im Netzteil über einen Zwischenwiderstand (halbautomatische Gittervorspannungserzeugung)
zur Masse des Gerätes nutzt den gesamten Strom des Anodenspannungszweiges des
Gerätes. Weicht nur eine Röhre z.B. durch Alterung von ihren Normdaten ab, hat
das auf die Gittervorspannung der anderen Röhren eine nur geringe Wirkung.
Auch unterschiedliche Gittervorspannungen sind so erzeugbar durch Abgriffe am
Erzeugungswiderstand oder durch Widerstandsketten. Diese Gittervorspannung muss
allerdings gut gesiebt werden, Wechsel- und NF- und HF- Spannungsverkopplungen
müssen vermieden werden. Nachteilig ist, wenn eine der Röhren altert, verschieben
sich u. U. etwas deren Betriebsparameter, da anders als bei der automatischen
Gittervorspannung der nachlassende Anodenstrom speziell für diese Röhre
nicht kompensiert wird. Einsatzbereich universell.
3.
Die Gittervorspannungserzeugung über hochohmigen Gitterableitwiderstand spart
Bauteile ein, ist aber nicht für jede Stufe und Röhre geeignet. So können
in der Regel hohe Steuerwechselspannungen nicht verzerrungsfrei verarbeitet werden.
Der erforderliche Gitterableitwiderstand liegt in der Regel im 2-stelligen M Ohm
- Bereich. Einsatzbereich oft in NF-Vorstufen.
4.
Regelspannung und verzögerte Regelspannung. Auch Regelspannungen aus
dem Gleichrichter-Teil des Radios können an der Bildung der Gesamtgittervorspannung
beteiligt sein. Manche Radios verzögern dabei die Regelspannung für
die erste Verstärkerröhre (Einsatzpunkt ab einem bestimmten Schwellwert).
Die Regelspannung soll Feldstärkeschwankungen (Fading) des Empfangssignales
ausgleichen. Es sind hiefür spezielle Röhren mit Verstärkungsregeleigenschaften
geschaffen worden. Deren Kennlinie hat keinen möglichst linearen Teil bei
Arbeitspunkt A, sondern eine auch in diesem Bereich gekrümmte Kennline. Regelbare
Röhren sind an der ungeraden Zahl im Röhrennamen zu erkennen. Beipiele:
ECH81, EF85, UCH11, usw. Nichtregelbare Röhren sind dagegen beispielsweise
die EF80, EF40, EF4, usw. Einsatzbereich in HF-Vorstufen, Mischstufen, ZF-Stufen,
aber auch bei einigen Einkreisern.
5.
Gittervorspannungserzeugung durch eine unabhängige Richtspannung aus
dem Netzteil, die unabhängig vom Stromfluss durch das Netzteil ist. Einsatzbereich
bei Gegentakt AB und B Verstärkern.
6.
Gittervorspannungserzeugung aus einer Extra-Batterie oder Anzapfung einer
Batterie. Einsatzbereich: Diese Varianten wirkt ähnlich wie (5), wurde bei
Portable-Radios angewandt.
7. Audion.
Eine Sonderform der Gittervorspannungserzeugung liegt beim Audion vor. Steht kein
HF-Signal zur Gleichrichtung bereit, befindet sich der Arbeitspunkt beim Sättigungspunkt
der Röhrenkennlinie ohne Ausbildung einer Vorspannung. In manchen Publikationen
wird der rechte obere Punkt der Röhrenkennlinie mit D bezeichnet, andere
Quellen weisen D einem Punkt weit im gesperrten Teil der Kennlinie links von C
zu. Erst bei Vorhandensein eines HF-Signals wird die Gitter-Kathodenstrecke der
Röhre in Verbindung mit dem Koppelkondensator und dem mittelohmigen Gitterableitwiderstand
zum Gleichrichter. Die dann entstehende Richtspannung verschiebt den Arbeitspunkt
in Richtung A. Für die Röhre stellt das eine Gittervorspannung dar.
Einsatzbereich in diversen Geradeausempfängern, aber auch bei Superhetempfängern
mit Audiondemodulator.
8. Oszillator.
Ähnlich wie bei der Audionschaltung erzeugt die Oszillatorschaltung ihre
Gittervorspannung durch Gittergleichrichtung selbst. Die Hochfrequenz des schwingenden
Systems wird an dieser Strecke gleichgerichtet. Typische Gitterableitwiderstände
liegen um 50 kOhm. Einsatzbereich in Superhet-Empfängern.
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Arbeitspunkte: 
A
= Linearer Teil der Kennlinie AB = Noch recht linearer Teil der Kennlinie (Gegentakt-Endstufen
mit geringem Klirrfaktor B = Noch einsetzbar für Gegentakt-Endstufe mit
gutem Wirkungsgrad (Klirrfaktor schlechter) |
Beispiel
1. Kombinierte Gittervorspannungserzeugung in der Praxis:
Die NF-Endstufenröhre
UCL11 erhält ihre beiden Steuergittervorspannungen halbautomatisch über
die Widerstände 180 und 20 Ohm im Netzteil. Die Oszillatorröhre
(Triode der UCH11) über den Gitterableitwiderstand 50 K Ohm (gemäss
Punkt 8). Der Mischteil der UCH11 und der Penthodenteil der UBF11 erhält
eine Steuergittervorspannung als Kombination von (3) und (4). Über die
Hochohmwiderstände 2 M Ohm und 1 M Ohm baut sich eine Grundvorspannung auf,
die bei einfallenden Nutzsignal von der Regelspannung (die an der einen Diode
der UBF11 erzeugt wird) überlagert wird. |
Beispiel
2. Kombinierte Gittervorspannungserzeugung in der Praxis: 
Die
Endstufenröhre RENS1374d und die HF-Vorstufenröhre RENS1264 erhält
ihre Gittervorspannung automatisch gemäss (1). Die Audiostufe RENS1264
(mittlere Röhre) bildet die Vorspannung gemäss (7). |
Beispiel
3. Gittervorspannungserzeugung mit Hochohmwiderstand in der Praxis: 
Schaltbild-Auszug,
Demodulator-NF-Vorstufe. Das Steuergitter 1 der NF-Verstärkerröhre
bekommt seine Vorspannung durch den Widerstand von 22 M Ohm, wie in (3) beschrieben! |
Beispiel
4. Kombinierte Gittervorspannungserzeugung in der Praxis:
Batterie-Empfänger der
ersten Jahre. Die Vorspannung gemäss (6) für das Steuergitter der
RE134 wird mit -6 Volt erzeugt, die Vorspannung für die RE054 mit - 1,5
Volt aus der Batterie. Die Audionstufe bildet mit dem 250 pf und dem 2,5 M
Ohm Widerstand die Spannung nach (7) |
Beispiel
5. Kombinierte Gittervorspannungserzeugung in der Praxis: 
NF-Leistungsverstärker.
Die Steuergittervorspannung der beiden Endstufen-Gegentaktröhren im B-Betrieb
wird über eine Sonderwicklung des Netztrafos und einem Brückengleichrichter
gemäss (5) erzeugt. Diese Spannung ist mit dem 200 Ohm - Trimmer einstellbar.
Die beiden Vorröhren erhalten ihre automatische Vorspannungserzeugung
(1) über gekoppelte Kathoden nach Masse. |
Beispiel
6. Kombinierte Gittervorspannungserzeugung in der Praxis:

Die
Regelspannung gemäss (4) wird mit einer getrennten Diode der ZF-Stufe entnommen.
Die NF-Gleichrichtung erfolgt über eine weitere Diode rechts. Die
Regelspannungsdiode wird über den Katodenwiderstand 300 Ohm der ZF-Röhre
mit + etwas vorgespannt. So muss die Regelspannung diese + Vorspannung erst
überwinden, um eine wirksame - Regelspannung weitergeben zu können.
Sie ist also verzögert wirksam. |
Beispiel
7. Kombinierte Gittervorspannungserzeugung in der Praxis: 
Autosuper
Siemens SH597AB. Verzögerte Regelspannung für EF9, ECH4, ECH4. Die
Regelspannung (4) wird an dem rechten Diodensystem der EBL1 erzeugt und am Kathodenwiderstand
des L-Systems dieser Röhre durch positive Gegenspannung verzögert
und dann den Gittern der Regelröhren zugeführt. Eine kleine Besonderheit
ist eine weitere - etwas unübersichtliche - Verzögerung. Die
Kathode der Misch/Oszillatorröhre ECH4 spannt die verzögerte Regelspannung
für die Oszillatortriode, aber auch für das Steuergitter des H-Systems
der ZF-Röhre weiter vor. Das zweite Steuergitter dieser Röhre liegt an
der ersten verzögerten Spannung, ebenso das Steuergitter der EF9 und der
Mischstufe. Bei der 2. Verzögerung ist zu beachten, dass das Oszillatorsteuergitter
durch die HF daran auch eine zusätzliche Spannungskomponente beiträgt
(8). Die Schaltung sieht im ersten Augenblich harmlos aus, hat es aber in sich. |
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