| In der Nähe
von Berlin und Potsdam liegt der kleine Ort Sacrow. Im August 1897 installierten
Professor Slaby und Graf Arco die erste deutsche Antenne
auf dem Turm der Heilands-Kirche in Sacrow. Heute ist dort eine Erinnerungs-Tafel
zu finden. Professor Slaby nutzte dabei die Erfahrungen von Marconi, die er zuvor
in England bei einem Versuch beoachten konnte. Später löste er sich
von dem Antennenaufbau von Marconi und entwickelte das System weiter. Die ersten
Sende-Versuche fanden aber schon vorher in Berlin statt. Im Juni 1897 wurden
die ersten Funk-Verbindungen zwischen der "Technischen Hochschule Charlottenburg"
und der "Chemischen Fabrik Beringer" am Salzufer durchgeführt.
Entfernung 500 Meter. Weiter wurden kurz vor den Sacrow-Versuchen noch recht erfolglose
Versuche zwischen Matrosenstation und der Pfaueninsel (ca. 3,5 Km) durchgeführt.
Erst später nach Feinabstimmung der Technik und der Antennen gelang auch
auf dieser Strecke der Versuch hinreichend stabil. Nach weiterer Optimierung (Verlängerung
der Antennen mit gleichen Antennenlängen, usw konnten auch bald grössere
Entfernungen (Beispiel Schöneberg/Berlin nach Rangsdorf bei Zossen mit 21
Km)unter Verwendung von Ballons für die langen Antennen überbrückt
werden. Weitere Informationen über Professor Slaby und Graf Arco finden
Sie hier.  Heilandskirche
in Sacrow Sollten Sie in der Region Berlin-Brandenburg
leben, ist ein Besuch der landschaftlich schön gelegenen Örtlichkeit
für den Funkinteressierten fasst ein muss.
 Turm
der Heilandskirche. Hier wurde die Antenne angebracht.
 Erinnerungstafel
am Kirchturm. (Auf Photo klicken für mehr Details) Die
Inschrift lautet: An dieser Stätte erriechteten 1897 Professor
Slaby und Graf von Arco die erste deutsche Antennenanlage für den
drahtlosen Verkehr
Hundert Jahre
deutsche Funktechnik, Jubiläum. Sende-Versuch von Prof. Slaby und Graf Arco!
Bei der Kirche von Sacrow wurde am 30.8.1997
der Sendeversuch erfolgreich wiederholt. Der Sender und Empfänger wurden
rekonstruiert. Diese Versuche wurden unter Mitarbeit des "Deutschen
Technik-Museums Berlin" (vormals Museum für Verkehr und Technik) zusammen
mit Prof. Mönnich und Herrn Rücker erarbeitet. Es war sehr eindrucksvoll,
die Funken des Induktor-Senders zu sehen und zu hören. Die
Empfangs- Station wurde 1,3 Km entfernt am "Matrosenhaus" in Potsdam
aufgestellt. Von dort wurde via Amateurfunk-Report der Empfang bestätigt.
Die Funken konnten auch im Koffer-Radio direkt in Sacrow wahrgenommen werden.
Der Empfänger wurde bei diesem Jubiläumsversuch zuerst auch in Sacrow
gezeigt. Anschliessend fuhr Herr Rücker mit dem Empfänger per Boot rüber
zur ehemaligen Matrosenstation in Potsdam und baute die Empfangsapparatur dort
auf. Die Antenne wurde mittels eines Helium-Ballons errichtet. Weitere
Informationen zu Slabys Versuchen sind seinem Buch "Entdeckungsfahrten
in den elektrischen Ozean" von 1911 zu entnehmen. Ich selbst besitze
ein Exemplar und halte es in Ehren.
 Deckseite.
Entdeckungsfahrten in den elektrischen Ozean. Das Photo vom Eifelturm ist ein
aufgeklebtes echtes Photo.
 Zeichnung
aus Slabys Buch
 Funkenstrecke
als Nachbau und Vorzeige-Objekt. Sie wurde bei dem folgenden Versuch nicht genutzt.

Während des Jubiläum-Festaktes.
 Während
des Jubiläum-Festaktes. Im Hintergrund der Kirchturm mit der Antenne. Der
Funkensender war vorn rechts am Kirchenumgang installiert.
 Der
rekonstruierte Induktor-Sender.
 Die
Funkenstrecke des Versuchsaufbaues. Rechts vorn das Erdband, links vorn die
Antenne zum Kirchturm hoch.
 Der
komplette Fritter - (Cohärer) Empfänger. Technische
Details weiter unten.
 Nahaufnahme:
Fritter (Cohärer) und Klopfer. Technische Details weiter
unten.
 Nahaufnahme:
Fritter (Cohärer) und Klopfer. Weitere Ansicht. Technische
Details weiter unten.
 Bei
dem Versuch diente ein kleines Mini-Zeiger-Messinstrument als empfindliches Klopfer-Steuerrelais. Technische
Details weiter unten.
 Weitere
Ansicht. Relais, Batterien, Anzeige-Klingel, rechts Klopfer Technische
Details weiter unten.
 Sicht
von der damaligen Empfangs-Stelle auf der anderen Wasserseite am sogenannten Matrosenhaus.
Von dem Haus sind nur noch die Fundamente vorhanden.
 Sicht
von der Heilandskirche hinüber zur Matrosenstation auf der Potsdamer Seite.
Für
den technisch Interessierten:  Prinzipbild
des Sendeversuches aus dem Buch "Entdeckungsfahrten in den elektrischen
Ozean" von A. Slaby. A = Hauptbatterie, B = Relais, C =
Fritter a = Nebenkreisbatterie, b = Morseschreiber, c = Klopfer
Als
Sender dient ein Funkeninduktor mit Wagnerschen Hammer. An der Funkenstrecke schlagen
kleine Funken über. Diese Funken generieren Hochfrequenzaussendungen die
sich drahtlos fortpflanzen. Das Sendesignal wird mittels einer Morse-Taste im
Takt des Morsekodes getastet. Die verwendete Sendeeinrichtung strahlt das
Hochfrequenz-Signal recht breitbandig ab. Eine gewisse Selektion ergibt sich eigentlich
nur aus der Antennenlänge. Allerdings streiten sich Fachleute hier, ob es
sich dabei wirklich um eine Lambda / 4 oder Lambda / 2 Abstrahlung oder eine gänzlich
unresonante Abstrahlung handelt. Bei dem Hundert - Jahre - Versuch war ein Funkmesswagen
dabei, der eine gewisse Resonanzüberhöhung des Breitband-Schnarrens
bei 21 MHz festgestellte. Hätte es zu dem 1897-Zeitpunkt schon mehrere
Sender und Empfänger im Versuchsgebiet gegeben, wäre eine ungestörte
Nachrichtenübertragung auf zwei Funkstations-Wegen kaum möglich gewesen. Sender
und Empfänger werden mit Erde (eigentlich Metallplatten im Wasser) und Luftleitern
(später Antennen genannt) verbunden. Beim Sender kommen diese Leitungen an
die Funkenstrecke, beim Empfänger an die Fritterkontakte. Der Empfänger
besteht aus zwei Stromkreisen, dem Hauptkreis und dem Nebenkreis.
Im
Hauptkreis sind die Batterie A, das Relais B und der Fritter (Cohärer)
C in Reihe geschaltet. Die ausserdem angeschlossene Antenne wird auf der Skizze
Fig 82 nicht gezeigt. Wird in der Fritter-Glasröhre ein Hochfrequenzsignal
wahrgenommen, "kleben" die locker plazierten Eisenfeilspäne zwischen
den Dauermagnet-Elektroden zusammen und geben elektrischen Kontakt. Das Relais
schaltet den Nebenkreis durch. Das gesendete Hochfrequenzsignal ist detektiert.
Der Fritter muss sorgfältig auf höchste Empfindlichkeit justiert werden,
ohne dabei aber die Morsezeichen zu verfälschen. Im Nebenkreis
liegen die Nebenkreisbatterie a, der Morseschreiber b (Klingel) und der Klopfer
c ebenfalls in Reihe. Das hat zur Folge, dass der Morseschreiber (Klingel) das
Signal "aufschreibt" oder im Jubiläumsversuch einen Klingelton
abgibt. Gleichzeitig erhält aber auch der Klopfer (auch ein Relais) Strom
und klopft leicht (justierbar) an das Fritter-Glasröhrchen. Dadurch werden
die "verklebten" und somit leitenden Eisenspäne "entklebt"
und der Kontakt unterbrochen. Der Morseschreiber geht auf Null (die Klingel hört
auf), der Empfänger ist wieder bereit für das nächste Hochfrequenzsignal
oder bei Andauern des Signals wird es weiter (wiederholt) angezeigt. Die
nun beschriebenen Aspekte des Versuches werden in der zeitgenössigen Literatur
selten angesprochen: Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Morsezeichen
hinsichtlich von "Strich" (lang) und "Punkt" (kurz) unterschieden
werden müssen. Bei den Slaby-Versuchen an der Sacrower Kirche konnte mit
dem Induktor-Sender ein Quasi-Dauersignal gesendet werden, dass allerdings
vom Induktor-Unterbrecherkontakt immer wieder sehr kurzzeitig unterbrochen
wurde und zu einem schnarrenden Signal führte. Der Fritterempfänger
will ja ein gerade empfangenes Signal "festhalten", nur gebremst durch
den Klopfer (Rücksteller). So war eigentlich das Signal bei einem
Morsestrich vom Klopfer auch mehrmals kurzzeitig unterbrochen, aber durch
das weiterbestehende Sender-Strich-Morsezeichen wurde sofort wieder auf "Signalempfang"
zurückgeschaltet. So bildete sich ein Morsestrich und ein Morsepunkt aus
einer Folge von kurzzeitig vom Klopfer unterbrochenen Signalen. Die maximal übertragbare
Zahl von Morsezeichen pro Minute begrenzte sich natürlich dadurch. Es war
aber so eine genaue Unterscheidung zwischen Morsestrich und Morsepunkt möglich. Das
Morsealphabet kann überall im Internet eingesehen werden. Berühmt sind
die Seenot-Zeichen geworden: "... ---..." (SOS) oft auch "Save
our souls" nicht ganz richtig interpretiert. Ein R ist ein ".-."
, ein e ist ein "." , ein T ist ein "-" usw. |
Vielen
Dank auch an Ottmar Rücker für die Auskünfe zur praktischen
Durchführung des Jubiläumsversuches.. |