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Deutsche Rundfunkgeschichte

VOX-Haus (Voxhaus (6) )
und andere Sendestellen

85 Jahre Rundfunk in Deutschland, 1923-2004

Erste weltweite WEB-Seite über das Voxhaus, seit 8.1996 online.
Aktualisiert am 09.02.2009. (This page in English)

Seiten-Inhaltsverzeichnis:
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Historisches:
Diese Seite beschreibt den ersten deutschen Rundfunk-Sender Funkstunde, der zuerst aus dem Voxhaus in Berlin sendete. Berücksichtigt werden die Jahre 1923-1934. Im Jahr 1934 wurde die Funkstunde aufgelöst und in den Reichssender Berlin überführt.

Der erste deutsche Rundfunksender "Funkstunde" war im Voxhaus (6) in Berlin, Potsdamer Str. 4, beheimatet . Am 29.10.1923, 20.00 Uhr begann in Deutschland das offizielle Rundfunk-Zeitalter. Es gab aber schon regelmässige inoffizielle Sendungen des Voxhauses zumindest ab dem 02.10.1923 (Quelle: Zeitschrift "Radio", 1923, Heft 13, Seite 512). Die Vorstellung der Vortragsfolge des ersten Abendprogrammes am Ende dieser Seite.

Im Herbst 1923 wurde die Aktiengesellschaft "Radiostunde Berlin" von der Muttergesellschaft 'Hauptgesellschaft für Industrien' (1) gründet und im März 1924 in "Funkstunde" umbenannt. Über den Namen und Struktur der Muttergesellschaft gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben, die sich sogar widersprechen. Es war ein rein kommerzieller Sender, der keine öffentlich-rechtliche Struktur hatte. Die VOX-Haus GmbH war zu diesem Zeitpunkt u.a. ein Hersteller von Fein- und Sprechmaschinen. Das Unternehmen vertrieb neben Schallplatten und Plattenspielern auch andere Produkte. Siehe den Voxhaus-Katalog von 1926 unten auf dieser Seite. Im Katalog wird als Firmensitz Potsdamer Str. 4 angegeben (2).

Daten des ersten Voxhaus-Senders: Nähe Potsdamer Platz. Sendefrequenz: 750 Khz (400 m), später 430 m, 250 W Sendeleistung, Antennenlänge 30 m. Die Sende-Antenne befand sich auf dem Dach des Voxhauses und reichte zum Hotel-Komplex hinüber. Die Antenne hatte keinen guten Wirkungsgrad, Berlin konnte noch nicht flächendeckend versorgt werden.

In der ersten Zeit war das Studio in der 3. Etage zu finden, später in der 5. Etage. 1924 wurde das Studio renoviert und vergrössert. Eine Ozon-Klima-Anlage wurde installiert, da die Luft- und Temperatur-Verhältnisse vorher teilweise recht schlecht waren. Ein weiterer grosser Studio-Raum kam hinzu. Insgesamt standen dann 8 Räume im Dachgeschoss zur Verfügung.  Aber schon 1925 wurde das Studio nochmals vergrössert mit insgesamt 25 Zimmern in verschiedenen Stockwerken. Das von der Funkstunde genutzte Dachgeschoss erstreckte sich über Vorderhaus, 1. Seitenflügel, Teile des 1. Quergebaüdes, 2. Seitenflügel, Teile des 2. Quergebäudes.

Im Herbst 1923 gab es nur ganz wenige Anbieter von fertigen Rundfunkgeräten in Deutschland (als Beipspiel seien die Firmen Radioresonanz, Deutsche Radiophon AG, Birgfeld, Daimon, Kramolin, Wohlpfeil, Haas & Schmidt, Behm & Co, usw) . Detektorapparate und auch schon einfache Röhrenempfänger wurden angeboten. Es gab aber schon eine relativ grosse Zahl von Funkbastlern, die teilweise noch illegal Funkempfang praktizierten. Sie hörten Versuchssendungen und Sendungen aus dem Ausland ab, weil es dort teilweise schon früher Rundfunksender gab. Diese Funkbastler bauten ihre Geräte selbst zusammen und waren die eigentliche Hörergemeinschaft in 1923. Ein starkes Hindernis für die erfolgreiche Einführung des Rundfunks war die im Jahr 1923 auf dem Höhepunkt befindliche Hyperinflation. Das Geld war total entwertet. Weite Bevölkerungskreise hatten keine Möglichkeit am Wirtschaftsleben teilzunehmen. Erst einige Tage nach der ersten offiziellen Rundfunksendung des Voxhauses (November 1923) wurde die sogenannte Rentenmark eingeführt und die Hyperinflation durch eine Währungsreform gestoppt. So konnte der Rundfunk schon aus finanziellen Gründen erst ab 1924/1925 "Fahrt aufnehmen", blieb aber für fast 10 Jahre nur etwas für betuchte Bürger. Ein Durchbruch für grössere Bevölkerungskreise gab es um 1933 durch die Einführung des Volksempfängers.

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Links: Photo des Voxhauses in der Potsdamer Str. 4 (Potsdamer Str. 10).
Rechts: Zeichnung der Studioräume im Dachgeschoss. Gut ist die Doppel-T-Antenne (1924) zu sehen, die sich zum Gebäude des Hotel Esplanade hinzog (3). Vorher wurde eine Reusenantennen verwendet (1923-1924).

 


Neue Studios in 5. Etage des Voxhauses (B4)


Labor, Studio, Ozon-Klima-Anlage, Verstärker-Raum, Batterie-Raum. (B5)


Blick in die oberen Etagen des Voxhauses. (B1)

 
Sender 2 (4) im Voxhaus.


Schaltbild eines Senders im Voxhaus.
(Es gibt unter den Experten unterschiedliche Ansichten, welches nun wirklich das "richtige" ist.
Eine leichte Variante ist. z.B. in der Zeitschrift "Radio" 1923, Heft 13, Seite 514 zu finden. Es wird diskutiert ob heute nicht der
erste Sender mit dem zweiten Sender verwechselt wurde.)

In der zweiten Hälfte des Jahres 1924 wurde der Sender Berlin 1 im Voxhaus abgeschaltet. Nun war der Sender Berlin 2 am Magdeburger Platz aktiv. 1925 wurde der Sender Witzleben (unter dem "Funkturm") in Betrieb genommen. Weitere Informationen zu den frühen Sendern finden Sie hier und hier. Das Radioprogramm vom 25.8.1924 können Sie hier lesen. Ein bekannter und beliebter Sprecher war Alfred Braun. Die Funkstunde zog 1931 in das neue Gebäude in der Masurenallee um. April 1934 wurde die Funkstunde eingestellt. Die Sendeanstalt erhielt den Namen "Reichssender Berlin".

 


Neues Studio-Gebäude in der Masuren-Allee. Es wurde aber nur ein Jahr von der Funkstunde genutzt.
Blick vom Fernseh-Hochhaus. Im Hintergrung rechts ein kleiner Teil des Ausstellungs-Geländes,
wo auch alle zwei Jahre die IFA stattfindet.

Lesen Sie den Ausschnitt aus den Lebenserinnerungen von Kammersänger Professor Albert Fischer, der Kontakt zum Voxhaus hatte.

Das im 2. Weltkrieg zerstörte Gebäude des Voxhauses wurde 1971 gesprengt. Seit 1998 befindet sich beim Debis-Center in der Nähe des Potsdamer Platzes die "VOX-Strasse". Das Voxhaus lag schräg gegenüber dem Haus der Weinhandlung Huth (dieses Gebäude gibt es es noch, es ist das einzige erhaltene Vorkriegsgebäude in diesem Bereich). Zwischen 1904 und 1930 hatte das Voxhaus die Nr 4, davor und danach die Nr.10! Heutzutage gibt es kaum noch Spuren des Voxhauses:

(Noch?) Keine Gedenktafel am historischen Ort

Leider gibt es keine Hinweis-Tafel (Gedenktafel) am jetzigen Ort des damaligen Voxhauses. Ich habe nochmals im Jahr 2007 eine Initiative des "Deutschen Rundfunk-Museums" ins Leben gerufen, die derzeit (Stand Juli 2008) versucht eine solche Tafel am historischen Ort anzubringen.
Darauf könnte stehen:

.
Hier stand die Wiege des Deutschen Rundfunks.
Am 29.10.1923 wurde aus dem damaligen Voxhaus die erste
offizielle Rundfunksendung ausgestrahlt.
.

Nachtrag Januar 2009: Es ist sehr zähflüssig. Ich sehe die Gedenktafel in weite Ferne gerückt. Kosten, Haftungsfragen, usw. drücken die Realisierungschancen gegen Null.

Genaue Ortsbestimmung des Voxhauses:
(Wieso das wichtig ist? Das sehen Sie weiter unten.)


Potsdamer Platz um 1948.
Durch das noch vorhandene Haus Huth '2' kann auf die Lage des Voxhauses '1' rückgeschlossen werden.
Die gelben Linien zeigen den heutigen Verlauf der Potsdamer Str.
Der auf der K a r t e noch als Potsdamer Str. ausgewiesene Strassenzug heisst jetzt 'Alte Potsdamer Str.'
'4' = Haus Vaterland, '5' = Pschorrbräu.

Wo war das Voxhaus genau ?

Wenn Sie mal am Ort sind, hilft diese kleine Aufstellung bei der genauen Ortsbestimmung


Heutige Position des ehemaligen VOX-Hauses


Strassen-Bennung nach dem Voxhaus, leider weit weg vom historischem Ort
und an keinem der Voxstrassenschilder ist ein Kurzhinweis als 'Reiter' angebracht.
Ich finde, ein besserer Name wäre Voxhausstrasse.


Heutige Lage des ehemaligen Voxhauses


An dieser Stelle befand sich das Voxhaus in der jetzigen Alten Potsdamer Str.
Sicht auf die heutige Örtlichkeit.
(Diese Ortszuweisung erfolgte mit den weiter oben gezeigten Karten und insgesamt 6 Lufbildaufnahmen des damaligen Potsdamer Platzes, wo das Voxhaus und das Haus Huth gut zu erkennen sind. Aus Urheberrechtsgründen können diese Photos hier nicht gezeigt werden.)


Das heute noch existierende Haus Huth kann gut zur Bestimmung der Lage des damaligen Voxhauses auf der heutigen 'Alten Postsdamer Strasse' herangezogen werden. Beachten Sie links in der Nähe des Haus Huth die schräg abgehende Linkstr. Ganz vorn links ist ein Stück einener der beiden Privatstrassen des Potsdamer Bahnhofs zu sehen.

 

 

Sendestelle Magdeburger Platz

Die Antenne des Senders 2 (Magdeburger Platz, Lützowstr. 33/37) Frequenz: 500 m, später 505 m funktionierte besser. Der Sendemast stürzte im Juli 1926 ein, was zu einem ca. 14-tägigen Ausfall des Senders führte. Zwischen 1924 und 1927 sind mehrere Sender hier aufgebaut worden und in Betrieb gewesen.

 


Sendestelle Magdeburger Platz. (B3)


Heutige Ansicht der Sendestelle.

 


Sendestelle Witzleben, Funkturm


Berliner Funkturm

Auch der Sender Witzleben Funkturm sollte die Versorgung verbessern. Offizieller Sendebeginn war der 25.9.1925, noch mit Behelfsantennen. Die Sendeanlage befand sich zuerst in einem Glaswand-getrennten Raum innerhalb der Rundfunkaustellungshalle (Haus der Funkindustrie). Der Funkturm wurde am 3.9.1926 eingeweiht. Entgegen den Erwartungen war der Funkturm als selbststrahlende Antenne nicht optimal. Trotz Porzellan-Fuss-Isolierung war die Abstrahlung im Westen Berlins nicht gut. So wurde ein zweiter Mast verwendet, zwischen diesem und dem Funkturm wurde eine T-Antenne gespannt, später wurde eine Antenne schräg zum Turm gespannt. Es muss wohl viele Versuche mit unterschiedlichen Antennen gegeben haben, Photos und Zeichnungen belegen das. Auf einem der Photos ist auch eine 5-fach-T-Antenne zu sehen, die zum Hilfsmast gespannt ist. Übrigens ist diese Antenne einmal von einem auf dem Gelände des heutigen Olympia-Stadions notlandenden Postflugzeuges gerammt und abgerissen worden! Insgesamt war der Sendestandort Witzleben nicht erfolgreich für eine flächendeckende Versorgung Berlins. Das änderte sich erst 1933 mit der Inbetriebnahme des Senders Tegel.


Zur Funkausstellung 1930 hielt zu Füssen des Funkturms Albert Einstein am 28.8. die Eröffnungsrede, beginnend mit den Sätzen:

Wenn Ihr den Rundfunk höret, so denkt auch daran, wie die Menschen in den Besitz dieses wunderbaren Werkzeuges der Mitteilung gekommen sind. Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und nicht minder die konstruktive Phantasie des technischen Erfinders. ..............


Sogar eine Fernsehsende-Antenne gab es schon in in den Dreissiger Jahren auf dem Turm. Der Funkturm diente auch über Jahre der Flugsicherheit mittels eines starken drehenden Scheinwerfers. Im Jahr 1935 zerstörte ein Grossbrand die Restaurant-Plattform des Turmes, Tote waren zu beklagen. Ursache war der Abbrand der in unmittelbarer Nähe gelegenen Rundfunk-Ausstellungshalle (siehe Punkt 2 auf der obigen Luftbildaufnahme. 1943 erhielt er Bombentreffer. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 erhielt der Funkturm einen schweren Granat-Treffer, sodass einer seiner vier Standfüsse in ca. 20 Meter Höhe fast komplett unterbrochen war. Nach 1945 beherbergte der Funkturm eigentlich nur noch kommerzielle Funktechnik, wie Polizeifunk, usw.

Ein persönlicher Hinweis für Funkamateure: Der Autor dieser Seite kennt den Funkturm auch von seiner obersten Seite. Zur Funkaustellung 1971 baute er mit weiteren Funkamateuren (DC7AL, DC7BH, DC7CH, DJ7IC, DL7MO, DL7OG, DL7RR, DC7BJ - der Autor) auf der obersten Montageplattform (noch oberhalb des Fahrstuhlhauses) die Antennen der Amateurfunk-UKW-Relais-Station DL0UB mit einem Ausleger auf. Schwindelfreiheit war angesagt, als Belohnung ein unbeschreiblicher Blick nach unten. DL0UB hiess dann später DB0WF. Jahrzehnte später war er wieder oben zur Mitbetreuung des 70cm-Relais DB0TA.
73 de DC7BJ, Rainer.


Porzellan-Isolierung eines Funkturm-Fusses. Im Hintergrund das damalige Sendegebäude.


Doppel-T-Antenne Funkturm zum Hilfsmast. (Sicht von Nordosten)
Dieser Hilfsmast stand an der Stelle, an der sich jetzt die Kongresshalle befindet. (B2)


Eine weitere 4-fach-Antennen-Variante am Funkturm. (Sicht von Nordosten)
Das Gebäude links ist die neue Ausstellungshalle für die Berliner Funkausstellung 1926.
Später wurde dann eine Eindraht-Antennen verwendet.
Für guten Funkempfang war es komplett aus Holz gebaut, brannte vielleicht auch deshalb später total aus.
Für Berliner, die den Funkturm heute kennen, sind die beiden obigen Zeichnungen sicher ein ungwöhnlicher Anblick. (B6)

Sendestelle Boxhagener Strasse

Nach wie vor war der Osten Berlins nicht optimal sendemässig versorgt. Deshalb wurde später in der Boxhagener Str. 111 noch ein Sender eingesetzt. Offizieller Sendebeginn 13.1.1929 auf 1060 KHz (283 Meter), Sendeleistung 500 W. Als Antenne kam wohl eine 3-fach T-Antenne zum Einsatz, gehalten von zwei 34 meter-Masten auf dem Dach. Die Senderräume befanden sich in einem Dachraum des posteigenem Gebäudes. 1934 ist der Betrieb eingestellt worden, da die neue Sendestelle Berlin Tegel nun viel wirksamer war. Leider gibt es über diese Sendestelle wenig Informationen oder Photos. Ein Besuch von mir auf dem Hof des in einem Altbau-Quartier gelegenen Grundstücks ergab nichts Bemerkenswertes.

Sendestelle Tegel

1933 wurde in Berlin Tegel (am nördlichen Rand des heutigen Flugplatzes) ein weiterer wesentlich stärker Sender (100 Kw) in Betrieb genommen. Als Sendemast kam anfangs ein selbsttragender Holzmast von ca. 160 Meter Höhe und einer untereren Grund-Kantenlänge von ca. 29 Meter zum Einsatz. An der Turmspitze befand sich eine sogenannter Endkapazitätsring von ca 10 Meter Durchmesser. Für das Voxhaus war die Sendestelle aber nur noch ein Jahr (bis zur Auflösung der Funkstunde) im Einsatz. Nach dem zweiten Weltkrieg, während der Berliner Blockade (Luftbrücke) wurde der Sendemast von den französischen Allierten kurzerhand gesprengt, um Platz für die Landebahn der Luftbrücke zu schaffen. Zu diesem Zeitpunkt strahlte der Sender den unter sowjetischer Verwaltung stehenden Berliner Rundfunk ab. Ein kleiner verständlicher Racheakt? Jedensfalls wurden die Sendeanlagen von den Sowjets demontiert und in Königswusterhausen wieder aufgebaut. Noch heute kann dort der funktionsfähige Notstrom-Generator der ehemaligen Sendestelle Tegel besichtigt werden.


Heutige Ansicht des damaligen Sendehauses (Der Gebaüdekomplex ist kürzlich erweitert worden).

Sendestellen Königs Wusterhausen und Eberswalde

Zumindestens am 25.12.1923 wurde das Programm des Voxhauses aus Berlin via Königs Wusterhausen als Relais ausgestrahlt (Quelle: 50 Jahre Rundfunk aus der Sicht der Deutschen Fernmeldeverwaltung, 1973). Schon seit 1920 wurden von Königs Wusterhausen (KWH) rundfunkähnliche Versuchssendungen ausgestrahlt, bis hin zu regelmässigen Abendkonzerten.

Die Lorenz-Versuchs-Sendestelle Eberswalde und KWH 'streiten' sich etwas um den Ruhm der ersten deutschen Rundfunkausstrahlung. Das Datenmaterial für Eberswalde sieht hierbei etwas schwach aus (siehe das Buch von Knut Berger, 'Hallo! Hallo! Hier Eberswalde'). Fest steht, das Voxhaus kann 'nur' mit dem ersten regulären (offiziellen) Rundfunkbetrieb ab dem 29.10.1923 dienen. Eberswalde hat aber nie offiziell das Programm der Funkstunde abgestrahlt.


Links: 'Hier ist Königswusterhausen auf Welle 2700' . Herausgeber: Förderverein 'Sender Königs Wusterhausen e.V.'
Rechts: 'Hallo! Hallo! Hier Eberswalde!'. Herausgeber: Museum in der Adlerapotheke Eberswalde.

 

Das VOXHaus als Rundfunk-Laden

 
Links: Dieser Katalog ist als Nachdruck in meinem Online-Shop, Artikelgruppe Flohmarkt erhältlich.
Rechts. Aus der Seite 13 vom Voxhaus-Katalog von 1926.

Noch ein Gedicht

Der Zeitschrift FUNK ging 1924 dieses Gedicht zu. Es wurde in Heft 16, Seite 258 veröffentlicht. Man spürt die damalige Begeisterung für das neue Medium. Können Sie sich im Jahr 2005 ein Gedicht vorstellen, dass den heutigen Dudelrundfunk preist?

 

Das erste Abendprogramm des Senders Voxhaus

Vortragsfolge
für ein
Eröffnungskonzert
am 29.X.1923, abends 8-9 Uhr

  1. Hier Sendestelle Berlin, Voxhaus, Welle 400
  2. Kurze Mitteilung, dass die Berliner Sendestelle Voxhaus mit dem Unterhaltungsrundfunk beginnt.
    In dem heutigen Konzert wirken mit: Herr Kapellmeister Otto Urack, Herr Fritz Goldschmidt, Herr Kammersänger Alfred Wilde, Herr Konzertmeister Rudolf Deman, Frau Ursula Windt, Herr Alfred Richter vom Deutschen Opernhaus, Herr Konzertsänger Alfred Lieban - Zur Begleitung wird ein Steinwayflügel benutzt.

Musikfolge

  1. Cello-Solo mit Klavierbegleitung "Andantino" von Kreisler, gespielt von Herrn Kapellmeister Otto Urack. Am Klavier: Herr Fritz Goldschmidt.
  2. Gesangs-Solo mit Klavierbegleitung, Arie aus dem "Paulus", vorgetragen von Herrn Kammersänger Alfred Wilde. Am Klavier: Herr Kapellmeister Otto Urack.
  3. Violinen - Solo mit Klavierbegleitung. Langsamer Satz aus dem Violin-Konzert von Tschaikowsky, gespielt von Herrn Konzertmeister Rudolf Deman. Am Klavier: Herr Kapellmeister Otto Urack.
  4. Gesang - Solo mit Klavierbegleitung. Arie der Dalida aus "Samson und Dalida", gesungen von Frau Ursula Windt. Am Klavier: Herr Kapellmeister Otto Urack.
  5. Voxplatte: "Hab' Mitleid", Zigeunerlied (S. Pawlowicz), gespielt von Herrn Konzertmeister Rudolf Deman (Violine), Herrn Kapellmeister Otto Urack (Cello), Herrn Max Saal (Klavier).
  6. Voxplatte: "Dass nur für Dich mein Herz erbebt" aus Troubadur, gesungen von Herrn Kammersänger Alfred Piccaver.
  7. Klarinetten - Solo mit Klavierbegleitung. "Larghetto" von Mozart, vorgetragen von Herrn Alfred Richter vom Deutschen Opernhaus. Am Klavier: Herr Kapellmeister Otto Urack.
  8. Gesangs - Solo mit Klavierbegleitung, "Der schlesische Zecher" von Reissiger, vorgetragen von Herrn Kammersänger Adlof Lieban. Am Klavier: Herr Kapellmeister Otto Urack.
  9. Cello - Solo mit Klavierbegleitung, "Träumerei" von Schumann, gespielt von Herrn Kapellmeister Otto Urack. Am Klavier: Herr Goldschmidt.
  10. Gesang - Solo mit Klavierbegleitung "Über Nacht" von Hugo Wolf, vorgetragen von Herrn Kammersänger Alfred Wilde. Am Klavier: Herr Kapellmeister Otto Urack.
  11. Violin - Solo mit Klavierbegleitung, "Menuett von Beethoven, vorgetragen von Herrn Konzertmeister Rudolf Deman. Am Klavier: Herr Kapellmeister Otto Urack.
  12. Voxplatte: "Deutschland, Deutschland über alles" , gespielt vom Infanterie - Regiment III /9, Obermusikmeister Adolf Becker.

Mitteilungen der Mithörer über Urteile usw. an Voxhaus, Berlin W 9 werden erbeten.

 

Fussnoten:

  • (ad 1) über den Namen und Struktur der Muttergesellschaft gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben, die sich sogar widersprechen. So wird die VOX Maschinen GmbH und die Frieden-Grundstücks GmbH als Muttergesellschaft genannt. Jedenfalls aufgrund von Eigentümer-Gemeinschaften eine etwas komplizierte Struktur. Als persönlicher Haupteigentümer wird immer wieder August Stauch genannt, der sein Vermögen mit Gewinnen aus Diamantenfunden gemacht haben soll.
  • (ad 2) Es soll aber (später?) auch eine Verkaufsstelle in der Viktoria-Str. gegeben haben.
  • (ad 3) Das Hotel Esplanade hatte seine Haupt-Räumlichkeiten zwar in der Bellevuestr., aber der Gebäudekomplex zog sich über Hinterhäuser hin und berührte dort das Voxhaus. Die wirksame Antennenlänge betrug so ca 80 Meter. Ein Fragment des Esplanade (Kaisersaal) wurde anlässlich des Aufbau des Sony-Centers mit hohem technischen Aufwand komplett verschoben und ist nun in den Neubau integriert.
  • (ad 4) In den ersten Jahren wurden im Voxhaus verschiedene Sender betrieben. Die hier angeführte Nummerierung entspricht der zeitlichen Reihenfolge. In vielen Publikationen werden da unterschiedliche Sender genannt. Ich habe mich entschieden, die Reihenfolge gemäss den Angaben des Archiv für das Post- und Fernmeldewesen, 29. Jahrgang N5. 5, Bonn, September 1977 zu verwenden. Demnach war Sender 1 eine 4-Pult-Standkonstruktion mit 250 W Sendeleistung, Sender 2 (wird oft als Sender 1 bezeichnet und ist deshalb oft auf Photos zu sehen) war eine offene Tischkonstruktion mit 250 W Sendeleistung,
    Sender 3 war ebenfalls eine Tischkonstruktion mit herabklappbaren Holzschutzgitter und 250 W Sendeleistung,
  • (ad 6). Ich werwende auf dieser Seite für das VOX-Haus die Schreibweise 'Voxhaus'. Es gibt über die Jahrzehnte hinweg beide Schreibweisen in Publikationen.
  • Einige Photos und Skizzen sind u.a. der Zeitschrift "Funk" der Weidmann schen Buchhandlung, Berlin SW68 entnommen.
    (B1)= Seite 141, Funk, 1926, Zeichner unbekannt, Code 3760
    (B2) = Seite 173, Funk, 1926, Zeichner G.Fechnen?, Code 3883
    (B3) = Seite 59, Funk 1924, Zeichner unbekannt
    (B4, B5) = Seite 375, Funk, 1924, ZeichnerKürzel F.R oder R.F
    (B6) = Heft 12, Telefunken-Rundschau, 1924, Zeichner unbekannt, übernommen in Seite 531, Funk, 1924.

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