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Wie funktioniert ein altes Radio? (Online seit 21.03.2008. Letzte Bearbeitung: 13.12.2010) Prinzipiell arbeitet im Jahr 2008 ein Radio (aber nicht DAB und DRM) wie eines aus dem Jahr 1923. Radios aus diesem Jahr der Einführung des Rundfunks in Deutschland können auf Mittelwelle oder Langwelle noch heute Rundfunksendungen empfangen und demodulieren. Diese Seite befasst sich nur mit dem "analogen" amplituden- oder frequenzmodulierten Rundfunkgeräten. Elektromagnetische Grundlagen: Wellenbereiche, Reichweiten, Ausbreitung Rundfunksender nutzen elektromagnetische Wellen als Trägermedium. Der Sender strahlt ein Hochfrequenzsignal (Trägersignal) auf einer bestimmten Frequenz ab. Nur so können verschiedene Sender gleichzeitig nebeneinander senden. Rundfunksender arbeiten in den sogenannten Rundfunkbändern: Langwelle, Mittelwelle, Kurzwelle, Ultrakurzwelle (UKW). Diese Wellenbereiche haben zum Teil unterschiedliche Ausbreitungsbedingungen:
* = Die genannten Reichweiten sind stark generalisierend dargestellt. Je nach Wellenbereich, Tages- oder Nachtzeit, Jahreszeit und Zustand des Sonnenflecken-Zyklus können die Angaben ERHEBLICH insbesondere auf Kurzwelle abweichen. Das ist ja gerade auch der Grund für die DXer (Leute, die versuchen möglichst weit entfernte Radiosender zu empfangen), sich mit Reichweiten-Empfang zu beschäftigen. UKW ist im Allgemeinen von den eben erwähnten Parametern unabhängig. ** = Es hat zeitweise begriffliche Unklarheiten über "Lang" und "Kurz" gegeben. Z.B. wurde "Lang" für Langwelle und "Kurz" für Mittelwelle verwendet, "Kurz" war hier also NICHT Kurzwelle.
Amplitudenmodulation:
Frequenzmodulation:
Die Empfänger-Seite:
Rundfunkempfänger können Hochfrequenzschwingungen wie sie von Rundfunksendern abgestrahlt werden empfangen, wenn sie diese Signale von einer Antenne quasi angeliefert bekommen. Der Empfänger benötigt aber unbedingt ein Selektionsmittel für die gewünschte Empfangsfrequenz, denn sonst würde er ja alle Sender gleichzeitig hören. Dieses Selektionsmittel ist der sogenannte Hochfrequenzschwingkreis. Er besteht aus einem Kondensator und einer Spule (siehe Skizze weiter unten: Schaltbild eines Detektorempfängers. Dort bildet die Spule mit 120 Windungen und der Drehkondensator 500 pF den Schwingkreis). Diese Kombination in Parallelschaltung oder in Serienschaltung kann immer nur eine bestimmte Frequenz gut empfangen, andere Frequenzen werden ausgeblendet. Der Schwingkreis wird abstimmbar gemacht. Das kann der veränderliche Drehkondensator oder die veränderlich Spule machen. Jedes Radio hat den Abstimmknopf, der den Drehkondensator und den Skalenzeiger antreibt. Die Antenne koppelt das Hochfrequenzsignal auf diesen Schwingkreis, der dann nur das selektierte Signal weiterleitet. Der Empfang amplitudenmodulierter
Sender: Dieses NF-Signal könnte sofort einem Kopfhörer zugeführt und hörbar gemacht werden. Beim guten alten Detektorempfänger wird das auch so gemacht. Dort gibt es die Antenne, den Schwingkreis mit dem Drehkondensator und der Spule und dem Gleichrichter (Diode oder Gleichrichterkristall) und dem Kopfhörer.
Eine tabellarische Zusammenstellung der Empfängertypen finden Sie auch hier. Das vom Detektor gelieferte Signal ist sehr schwach. Am Kopfhörer liegen ca. 50 mVolt bis 500 mV an. Zum Vergleich: die Netzspannung beträt bei uns 230 Volt. Der Detektor liefert also dagegen nur ca. 0,00005 bis 0,0005 Volt !!! Um einen Lautsprecher auf Zimmerlautstärke zu bringen, sind ca. 5 Volt an 5 Ohm nötig. Das erfordert eine erhebliche Verstärkung des Signales am Demodulatorgleichrichter. Deshalb wurden Verstärkerröhren zum Einsatz gebracht. Man konnte nun das gleichgerichtete Signal in einem NF-Verstärker soweit anheben, dass es für guten Kopfhörer- oder Lautsprecherempfang reichte. Typischer wurde diese Verstärkerröhre zur reinen NF-Verstärkung eingesetzt. Die Empfangsreichweite wurde so aber nicht wesentlich erweitert. Einkreiser, mit oder ohne Rückkopplung, Audionempfänger: Das gelang erst durch die Anwendung des sogenannten Audionempfängers, er kombinierte die Gleichrichtung der Hochfrequenz mit gleichzeitiger NF-Verstärkung. Den eigentlichen Durchbruch in Richtung grösserer Empfangsreichweite brachte der Audion-Einkreiser mit Rückkopplung. Hier wurde also ebenfalls die HF-Gleichrichtung und die NF-Verstärkung in eine Stufe (Röhre) gelegt, aber zusätzlich wurde das HF-Signal ebenfalls durch Rückkoplung des verstärkten Signales innerhalb dieser Stufe deutlich verstärkt. Die Reichweite des Empfängers stieg signifikant. Man konnte die Rückkopplung so weitaufdrehen, dass der Empfänger in die Selbsterregung getrieben wurde und quasi zu einem Sender wurde. Der Empfänger quitierte das mit einem lauten Pfeifen oder Quitschen. Andere Rundfunkhörer in der Umgebung hörten das leider auch. Um höchste Empfangsleisung zu bekommen, musste die Rückkopplung bis kurz vor Schwingungseinsatz vorsichtig dosiert werden. Ein weiterer Vorteil dieses Rückkopplungseinkreisers lag in einer erhöhten Selektivität. Die neben der Frequenz arbeitenden Sender konnten weniger in den Empfang des gewünschten Senders hineinreden. Durch die immer dichter belegten Rundfunkbänder, wo auch schon mehrere Sender auf der selben Frequenz sendeten, reichten aber bald die Selektionsmittel der Rückkopplungseinkreiser nicht mehr aus. Man versuchte sich noch durch sogenannte Sperrkreise oder Wellenfallen zu behelfen. Diese Kreise (ebenfalls aus Drehkondensator und Spule bestehend) wurden auf einen störenden Ortssender eingestellt und dämpften diesen. So konnte ein weit entfernter Sender recht dicht neben dem starken Ortssender noch einigermaßen gehört werden. Später, bei Superhetempfängern, kamen ZF-Sperren (Sperr- oder Saugkreise) für die ZF zum Einsatz. Der Weg zum trennschärferen Radio ging weiter über die Mehrkreisempfänger. Es wurden zwei oder mehr abstimmbare reine Hochfrequenzstufen hintereinander geschaltet und dann auf ein Rückkopplungsaudion mit oder ohne nachfolgende NF-Verstärkung gegeben. Die Empfangsempfindlichkeit und Selektivität stieg, aber die Selbsterregungsgefahr ebenfalls. Solche Empfänger musste aufwendig Stufe für Stufe neutralisiert werden, um das zu verhindern. Neutrodyne-Empfänger seien als Stichwort genannt. Ausserdem wurde die Abstimmung auf einen Sender recht kompliziert: Drei Drehkondensatoren waren nicht selten, die einzeln eingestellt werden mussten. Auch hier versuchte man mit besonderen Schaltungen alle Drehkondensatoren mit einem Knopf synchron einzustellen. Um die Zahl der Röhren / Transistoren in einem Radio gering halten zu können (also auch z.B. den Preis günstig zu gestalten) wurden mit der Reflex-Schaltung (Reflexempänger) in einer Röhre oder einem Transistor gleichzeitig zwei Verstärkeraufgaben vorgenommen. So konnte man entweder gleichzeitig Hochfrequenz (HF) und Niederfrequenz (NF) verstärken oder aber Hochfrequenz und Zwischenfrequenz (ZF) bei Superhetempfängern.Im Fall der mehr gebräuchlichen HF-NF-Kombination wurde z.B. in einer NF-Stufe (z.B. NF-Endstufe) gleichzeitig auch der HF-Vorverstärkung für Kurzwelle (KW) vorgenommen. Ein gewisser Nachteil dieser Reflexschaltung lag in der Gefahr der Selbsterregung (Schwingneigung) und Verzerrungen des Klangbildes. In den USA wurden z.B. die in den Fünfziger und Sechsziger Jahren so beliebten "Boys Radios" nach diesem Prinzip aufgebaut. Einen weiteren entscheidenden Fortschritt brachte der Superheterodyne-Empfänger, kurz Superhet genannt. Das Prinzip weicht deutlich vom bisherigen ab. Das Antennensignal wurde zwar ebenfalls über einen auf die Originalfrequenz abgestimmten Schwingkreis auf die erste HF-Stufe gegeben, aber diese unterschied sich erheblich. Es kam es Mischröhre zum Einsatz. Das Originalsignal wurde mit Hilfe eines Oszillators (das ist im Prinzip ein kleiner abstimmbarer Sender) in dieser Mischtufe auf eine andere feste Frequenz (Zwischenfreuenz) umgesetzt. Der Vorteil dieser Schaltung: Es wurden nur zwei Abstimmkondensatoren benötigt. Die eigentliche Hochfrequenzverstärkung wurde auf der Zwischenfrequenz (ZF) in einem der Mischstufe folgenden ein-oder mehrstufigen Verstärker erreicht. Dieser Zwischenfrequenzverstärker brauchte nur auf die eine Frquenz fest abgestimmt werden und konnte so hohe Verstärkungen erreichen und ausserdem die Bandbreite (Durchlasskurve) gegenüber den nachbarsendern erheblich einengen. Andere dicht nebenanliegende Sender hatten keine Störchance mehr. Nach diesem ZF-Verstärker folgte die HF-Gleichrichtung und NF-Verstärkung. Ein guter, lauter, störfreier Lautsprecherempfang war sichergestellt. Schwund, Fading, Regelspannung: Aufgrund der Wellenausbreitungsbedingungen (Ionosphären-Eigenschaften) kann das Empfangssignal in seiner Stärke und Phasenlage stark schwanken. Das führt zu erheblichen Lautstärkeunterschieden (im unregelmäßigen Abständen). Dieser Effekt wird als Fading oder Schwund bezeichnet. Mit Regelschaltungen (Regelspannungen) wird die Geräte-HF- und / oder ZF-Verstärkung (zumeist in Superhetempfängern) geregelt, sodaß die Lautstärke annährend gleich bleiben kann.Hochleistungsempfänger verfügten teilweise auch über verzögerte Regelspannungsschaltungen, die erst am einem bestimmten Signalpegel begannen runterzuregeln. (Details: hier weiterlesen) Der
Empfang frequenzmodulierter Sender:
Das Niederfrequenzteil: Netzteil / Stromversorgung
/ Akkumulatoren / Batterien / Gleichrichtung: In der Frühzeit des Rundfunks wurden die notwendigen Betriebsspannungen aus Akkumulatoren und Batterien (Anodenbatterien) gewonnen. In den ersten Jahren waren das sogenannte Bleiakkus, wie bei KFZ-Batterien, später kamen Blei-Gel-Typen hinzu. Zum Nachladen der Akkus waren Ladegeräte notwendig. Bald kamen für die teuren Anodenbatterien sogenannte Netzanoden zum Einsatz, die die Anodenspannung aus dem Ortsstromnetz erzeugten. Die Akkumulatoren (Akkus) mußten nachgeladen und zum Teil auch gepflegt werden. Typische Heiz-Akku-Spannungen lagen zwischen 2 und 12 Volt. Wichtig: Die Akkuspannung durfte keinesfalls höher als die Heizspannung der Röhren sein! Es gab Anodenbatterien, die mehrere Spannungen (typisch 70 - 120 Volt) über Buchsen oder Ansschlußleitungen abgeben konnten. Keinesfalls durften Abschlüsse oder Polaritäten verwechselt werden. Allstromnetzteile sind ohne Transformator aufgebaut. Heizkreise meist in Reihenschaltung. Anodenspannung über Selengleichrichter oder Röhrengleichrichter in Einweg- oder Gegentakt- oder Brückenschaltung. Auch Allströmer hatten für die gleichgerichtete (im Wechselstrombetrieb) Anodenspannung eine Siebkette, gebildet aus Ladeelko und Siebwiderstand und Sieblelko. Im Gleichstrombetrieb wurde die Anodenspannung aus dem Netz nur durchgereicht. Bei Allström-Netzteilen wurden auch oft in deren Masseleitungen mittels eingeschleifter Widerstände Gittervorspannungen erzeugt. Ebenfalls wurde die Gesamtanodenspannung für Vorstufen weiter runtergeteilt und weiter gesiebt. Wechselstromnetzteile verwendeten zumeist Transformatoren zur Bildung der Heizfadenspannungen und der Anodenspannungen über Selengleichrichter oder Röhrengleichrichter als Einweggleichrichter, Gegentaktgleichrichter, Brückengleichrichter (Graetzgleichrichter).. Die noch pulsierende Spannung lief durch eine Siebkette, gebildet aus Ladeelko und Siebdrossel (oder Siebwiderstand) und Sieblelko. Die Brückengleichrichter - auch Vollwellengleichrichter genannt - nutzten den negativen und positiven Halbwellenteil aus, die Brummbeseitigung wurde besser, die erzeugte Anodenspannung unter Last höher. Ebenfalls wurde die Gesamtanodenspannung für Vorstufen weiter runtergeteilt und weiter gesiebt.
Komfort in Radios: Die Klangblende war oft mit einer ZF-Bandbreiten-Regelung in den AM-Bereichen verknüpft. Man ging davon aus, dass in dicht belegten Rundfunkbändern eine schmale ZF-Durchlasskurve sinnvoll war. Dadurch gingen aber auch Höhen verloren. Um zusätzlich die in diesem Fall unerwünschten Höhen zu beschneiden, koppelte man mechanisch die Bandbreiten- mit der NF-Höheneinstellung. Abstimmanzeigen erleichterten dem ungeübten Besitzer die exakte Abstimmung auf einen Sender. Waren es um 1935 noch sogenannte Schattenzeiger, kamen um 1936 die ersten "Magischen Augen" als Abstimmanzeigeröhren auf. UKW-Radios hatten zwei teilweise getrennte Empfangsteile. Man konnte nun den AM-Bereich und dem FM-Bereich mit einem gemeinsam starr arbeitenden Senderabstimmknopf koppeln. Somit ging aber beim Umschalten von AM zu FM oder umgekehrt die jeweils dort "gespeicherte" Senderposition verloren. Wurden dagegen getrennten Skalenseilzüge und / oder Drehkondensatoren-Trennungen verwendet (Duplex-Antriebe), blieb der jeweils nicht benutzte Frequenzbereich "gespeichert". Einige Radios hatten eine oder mehrere festgespeicherte Sender-Tasten, oft als Ortssender-Tasten bezeichnet. So konnte ein Sender mit einem Frequenztrimmer fest eingestellt werden. Egal wo die generelle Senderabstimmung stand, mit einem Tastendruck war man wieder auf dem Ortssender. Andere Geräte (z.B. Grundig 4055WF/3D) hatten zwei komplette UKW-Teile eingebaut. Es gab dann 3 Skalen: AM und zweimal UKW. Schaltete man zwischen den Bereichen hin und her, hatte man quasi 3 Sender auf Tastendruck Eine erhebliche Komfort-Steigerung brachte bei Spitzengeräten der Motorantrieb und sogar der Motorsuchlauf. Einige Geräte konnten sich für eine Anzahl von Sendern die Stelle des Skalenzeigers "merken" und hatten einen speziellen Tastensatz dafür. Drückte man auf eine dieser Tasten, fuhr der Zeiger und Drehkondensator motorgetrieben auf eine zumeist mechanisch gemerkte Position des Seilantriebes. Andere Geräte boten zusätzlich einen echten Motorsendersuchlauf an (z.B. Saba Freiburg 6 3D). Hier suchte das Gerät auf Tastendruck den nächsten AM- oder FM-Sender und stellte ihn scharf abgestimmt ein und hielt diese Position auch auf Dauer fest (automatische Scharfabstimmung). Versuchte man den Senderknopf zu bewegen, versuchte das Gerät gegenzuhalten ! Zusätzlich konnte man einen schnellen Vorlauf aktivieren, um schnell eine weiterentfernte Bandstelle zu erreichen. Das alles ging auch per Fernbedienung. Spitzenradios hatte eine Fernbedienoption. Zumeist per Kabel konnten die Hauptfunktionen des Radios bequem vom Sitzplatz gesteuert werden. Verschiedene Hersteller boten Radios mit zusätzlichem Fernsehton an. So konnte man dann auch die "Tagesschau" im Radio hören. Ein früher Versuch, die störenden Einflüsse der Umwelt und der Ionosphäre mit Gewitterprasseln usw. zu verringern, war der Drahtfunk. Hier wurde das Sendersignal über ein HF-moduliertes Telefonkabel zum Radio geführt. Um die Scharfabstimmung des Senders zu erleichtern, kamen in den Sechziger Jahren elektronische Scahrfabstimmungen für UKW auf. Zumeist steuerte das Ratiodetektorsignal (Richtspannung) mit einer Kapazitätsdiode diesen Vorgang. NF-Stereophonie HF-Stereophonie Das FM-ZF-Signal "sah" so aus: Summensignal (Mono) 1-15 KHz. Pilotton 19 KHz. Unteres moduliertes Differenz-NF-Seitenband L-R 23-37984 KHz, unterdrückter Hilfsträger 38 KHz, oberes moduliertes Differenz-NF-Seitenband L-R 38,016-53 Khz. Verkehrsfunk Auch Autoradios ohne eine ARI-Auswertung konnten natürlich die Durchsagen hören, sie erhielten dafür einen speziellen Signalton, der auf die jetzt folgende Info hinwies. RDS ----------------------------------------------------------- Beispiele, wie Radioschaltungen aufgebaut waren, finden Sie hier. |
Danke an "Klaus" aus dem WGF für Verlinkungs-Hinweise.